REHABILITATIONSWISSENSCHAFTLICHER FORSCHUNGSVERBUND
NIEDERSACHSEN/BREMEN (RFNB)


Rahmenthema: Prädiktion, Verfahrensoptimierung, Kosten


  1. Hintergrund
  2. Verbundthema
  3. Organisation
  4. Projekte der aktuellen Förderphase
  5. Publikationen
  6. Veranstaltungen
  7. Frühere Förderphasen



1. Hintergrund

Der rehabilitationswissenschaftliche Forschungsverbund Niedersachsen / Bremen (RFNB) ist einer von bundesweit acht Forschungsverbünden, die seit 1998 vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) und der Deutschen Rentenversicherung mit dem Ziel gefördert werden, die rehabilitationswissenschaftliche Forschungsinfrastruktur zu stärken, um letztlich die Wirksamkeit und Qualität der medizinischen Rehabilitation zu verbessern.

Durch die Förderung qualitativ hochstehender Forschungsprojekte sollen neue Wege für eine patientengerechtere und erfolgreiche rehabilitative Versorgung aufgezeigt werden. In dem Prozess der Entwicklung und Etablierung einer eigenständigen und einheitlichen rehabilitationswissenschaftlichen Disziplin müssen die in der Reha-Forschung tätigen Einrichtungen systematisch integriert und koordiniert werden. Da in diesem Stadium der Professionalisierung nicht auf etablierte Strukturen, Ziele und methodische Standards zurückgegriffen werden kann, geht es zunächst vor allem darum, den Aufbau einer rehabilitationswissenschaftlichen Forschungsinfrastruktur unter Federführung der öffentlichen Hochschulen voranzutreiben. Der Anspruch einer maximalen Vernetzung zwischen Forschungs-, Träger- und Anbieterinstitutionen sowie einem hohen Grad an Interdisziplinarität wird vom RFNB aufgegriffen und in eine entsprechende Organisationsstruktur umgesetzt mit dem Ziel, langfristig eine reha-spezifische Forschungsinfrastruktur sowie Strukturverbesserungen in der Rehabilitationspraxis zu etablieren.

Zusammenfassend verfolgt der Verbund folgende Hauptziele:
  1. Schaffung einer regional verankerten, interdisziplinären und kooperationsfördernden Verbundstruktur, die langfristig in die Etablierung einer reha-spezifischen Forschungsinfrastruktur mündet,
  2. die Bearbeitung eines Verbundthemas in interinstitutionellen/interdisziplinären Teilprojekten sowie der prioritären Fragestellungen in den projektübergreifenden VerbundArbeitsgruppen unter Koordination der wissenschaftlichen Geschäftsstelle,
  3. Rückbezug der Forschungsresultate in die Versorgungspraxis sowie in Lehre und Fortbildung (Forschungs-Praxis-Transfer),
  4. Implementation von Struktureffekten in die Versorgungspraxis zur langfristigen Absicherung des Forschungs-Outcomes des Verbundes.



2. Verbundthema

Mit dem Rahmenthema "Prädiktion, Verfahrensoptimierung, Kosten" wurde die Ergebnisqualität der medizinischen Rehabilitation in den thematischen Mittelpunkt des Verbundes gestellt, das heißt seine Fokussierung auf die praktische Anwendbarkeit der Studienergebnisse im Sinne der Transferqualität.

1. Prädiktion
Für eine fundierte Entscheidung der Kostenträger, ob eine beantragte Reha-Maßnahme sinnvoll, zweckmäßig und unter Bedarfsgesichtspunkten medizinisch notwendig ist, bedarf es vor allem wissenschaftlich gesicherter Aussagen über die Prognose des individuellen Reha-Erfolges. Mit der Erarbeitung von Prädiktoren, d.h. prognostisch relevanten Parametern, werden sowohl Personengruppen identifiziert, bei denen Reha-Programme besonders wirksam sind, als auch solche, bei denen nur ein geringer oder kein Erfolg zu erwarten ist. Die Prädiktorenforschung stellt einen thematischen Schwerpunkt des Verbundes dar und wird in den Teilprojekten berücksichtigt. Die methodischen Zugänge und Fragen der Prädiktoren-Identifizierung, sowie die daraus abzuleitenden Erkenntnisse für die Entwicklung von neuen Assessment-Verfahren, stellen einen zentralen Arbeitsschwerpunkt dar. Prädiktoren für den Reha-Erfolg werden dabei innerhalb des RFNB auf drei Ebenen ermittelt, bzw. stellen sich jeweils unterschiedliche Fragestellungen:
2.Verfahrensoptimierung und Qualitätssicherung
Maßnahmen zur internen und externen Qualitätssicherung zielen darauf ab, einzelne Behandlungen wie die Versorgung durch Institutionen effektiver und kostengünstiger zu gestalten. Dabei gilt es, sowohl die Effizienz der internen Abläufe zu steigern als auch die interinstitutionelle Kooperation (Vernetzung) zu verbessern, um unnötige "Reibungsverluste" zu vermeiden. Die Verbesserung der Reha-Ergebnisse und Versor- gungsangebote wird in erster Linie durch eine Optimierung der zum Einsatz kommenden Therapie- und Interventionsverfahren erreicht. In diesem Verbund wird eine Verfahrensoptimierung im Schwerpunkt auf drei verschiedenen Ebenen angestrebt (Ergebnisqualität, Prozessqualität , Strukturqualität). Darüber hinaus soll die Bestimmung der Bedürfnisbezogenheit und Akzeptanz der Ver sorgungsleistung aus der Sicht der Patienten ausdrücklich aufgegriffen werden. Die Teilprojekte des Verbundes, beispielsweise zur Neu- und Weiterentwicklung sowie Evaluierung von Patientenschulungsprogrammen und Überprüfung von Nachsorgeangeboten, richten sich auf alle genannten Dimensionen der Qualitätssicherung, fokussieren aber auf die Verbesserung der Ergebnisqualität, insbesondere im Hinblick auf den Erhalt und die Wiederherstellung der beruflichen Integration der Rehabilitanden. Eines der zentralen Probleme des Rehabilitationssystems in der Bundesrepublik ist die ungenügende Abstimmung der Versorgungsleistungen an den Schnittstellen der Rehabilitation (Schnittstellenproblematik i.S. der Strukturqualität). Innerhalb des RFNB wird dieser Aspekt der Verbesserung der Zugangssteuerung zu medizinischen Leistungen als vordringliche Aufgabe der Reha-Forschung thematisiert.

3. Kosten
Zielorientiert und effizient durchgeführte Rehabilitationsmaßnahmen können die Kosten chronischer Erkrankungen bzw. Behinderungen nachweislich erheblich senken. Der Mitteleinsatz für medizinische Rehabilitation wird ökonomisch damit gerechtfertigt, dass die Investitionen in Reha-Maßnahmen letztlich ein volkswirtschaftliches Einsparpotential im Umfang des etwa zwei- bis dreifachen Investitionsvolumens erbringen sollen. Da es bislang an fundierten empirischen Daten zu dieser Problematik mangelt, ist die projektübergreifende gesundheitsökonomische Evaluation ein zentrales Anliegen des RFNB. In diesem Zusammenhang zielt der RFNB vor allem darauf ab, Wirtschaftlichkeitsreserven in der medizinischen Rehabilitation festzustellen und für die erforderlichen Einsparungen bei den direkten Kosten zu nutzen.


3. Organisation

Der RFNB ist mit dem geschäftsführenden Sprecher und der wissenschaftlichen Geschäftsstelle universitär in Bremen am Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation der Universität Bremen verortet. Der Sprecher des Forschungsverbundes, Prof. Dr. Franz Petermann, ist gleichzeitig Lehrstuhlinhaber für Klinische Psychologie der Universität Bremen sowie Direktor des Zentrums für Klinische Psychologie und Rehabilitation.

Sprecher
Prof. Dr. Franz Petermann
Zentrum für Klinische Psychologie
Universität Bremen
Grazer Straße 6
28359 Bremen
Tel.: 0421-218 68601
Fax: 0421-218 68629
fpeter@quni-bremen.de
Geschäftsstelle
Dr. Ulrike de Vries
Zentrum für Klinische Psychologie
Universität Bremen
Grazer Straße 6
28359 Bremen
Tel.: 0421-218 68612
Fax: 0421-218 68629
udevries@uni-bremen.de

Der Gesamtverbund umfasst zwei kooperierende Hauptbereiche: den wissenschaftlichen Forschungsverbund im engeren Sinn und den Verein zur Förderung der Rehabilitation in Niedersachsen und Bremen e.V. (VFRNB). Primäres Anliegen des Vereins zur Förderung der Rehabilitation in Niedersachsen und Bremen e.V. ist die Zusammenführung der Leistungs- und Finanzträger der Rehabilitation sowie der wissenschaftllichen Einrichtungen mit dem Ziel der gemeinsamen Interessensformulierung und -abstimmung. Die Mitglieder rekrutieren sich aus Vertretern der Rehabilitationsträger sowie dem wissenschaftlichen Verbund. Langfristig sollen auch andere in der Rehabili- tation tätige Gruppen oder Institutionen einbezogen werden. Neben der Hauptaufgabe, außeruniversitäre und die an den Hochschulen mit Rehabilitationsfragen befassten Einrichtungen dauerhaft zu integrieren, dient der Verein der Kontaktvermittlung zwischen den an wissenschaftlicher Kooperation Interessierten und nimmt entsprechende "Clearing"-Funktionen wahr.

Ansprechpartner des VFRNB e.V. ist Herr Dr. Axel Kobelt, Ärztlicher Dienst der Deutschen Rentenver- sicherung Braunschweig/Hannover.


4. Projekte der aktuellen Förderphase

Unter dem Dach des RFNB werden in der aktuellen Förderphase sowie in Assoziation insgesamt vier Teilprojekte durchgeführt. In die Projekte sind deutschlandweit zahlreiche Kooperationskliniken, niedergelassene Arztpraxen und Forschungsinstitute integriert, in denen verschiedene Maßnahmen erprobt und evaluiert werden.
  1. Evaluation der modellhaften Einführung von Patientenschulungsprogrammen für die rheumatologische und pneumologische Rehabilitation
  2. Depression als Risikofaktor für die Effektivität von Rehabilitationsmaßnahmen bei chronischem Rückenschmerz
  3. Ziele, Erwartungen und Motivation von Patienten am Ende und in der Zeit nach der Rehabilitationsmaßnahme: Entwicklung und Evaluation einer stadienspezifischen Motivationsintervention
  4. Rehabilitationsmotivation, -ziele und Compliance von Jugendlichen in der stationären Rehabilitation: Das Sylter Jugendprojekt


5. Publikationen

Die Ergebnisse der ersten, zweiten und aktuellen Förderphase sowie Zusammenfassungen bisher durchgeführter Tagungen und Symposien des RFNB sind in der Reihe Schriften des Rehabilitationswissenschaftlichen Forschungsverbundes Niedersachsen/Bremen im Roderer-Verlag erschienen.

Bisher erschienen:


 

 

 

 

 
Bestellformular




6. Veranstaltungen

Der RFNB veranstaltet regelmäßig Symposien und Jahrestagungen, jeweils mit einem aktuellen Schwerpunktthema. Die Berichte der Veranstaltungen ab 2004 können hier eingesehen werden.
  1. Symposium am 04.12.2009: Neue Ansätze in der psychosomatischen Rehabilitation
  2. Reha-wissenschaftlichen Kolloquium am 03.03.2008: Leitlinien in der Rehabilitation – Chancen und Risiken
  3. Symposium am 27.10.2006: Rehabilitation mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen
  4. Jahrestagung am 11.11.2005: Von der Gesundheitsökonomie zur Reha-Ökonomie
  5. Jahrestagung am 19.11.2004: Rehabilitation: Barrieren, Kosten und Optimierung